GrummelbärxX - 1. Jul. - 1 Minuten Lesezeit
Fantasy ohne Fantasie?
Fantasy sollte uns an Orte führen, die wir noch nie gesehen haben. Sie sollte uns mit Wesen, Kulturen und Geschichten überraschen, auf die wir selbst niemals gekommen wären. Doch genau dieses Gefühl fehlt mir bei vielen modernen Fantasy-Geschichten immer häufiger. Statt neuer Welten bekommen wir die nächste Variante längst bekannter Königreiche, die nächsten Drachen, die nächste Prophezeiung und den nächsten Auserwählten, der wider Willen die Welt retten muss.
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Dabei kann es nicht daran liegen, dass das Genre bereits auserzählt wäre. Fantasy kennt schließlich keine Grenzen – und trotzdem scheint ausgerechnet eines der grenzenlosesten Genres derzeit erstaunlich wenig Mut zu besitzen. Erfolgreiche Ideen werden kopiert, bekannte Motive neu zusammengesetzt und Geschichten so geschrieben, dass sie möglichst niemanden verschrecken. Das Ergebnis ist häufig solide Unterhaltung, aber nur selten etwas, worüber wir Jahre später noch sprechen.
Wann hatten wir zuletzt eine völlig neue Fantasy-Welt, die plötzlich jeder entdecken wollte? Eine Geschichte, bei der man nach wenigen Seiten oder Minuten dachte: So etwas habe ich noch nie gesehen? Für meinen Geschmack ist das viel zu lange her.
Was dem Genre fehlt, sind deshalb nicht noch größere Budgets oder spektakulärere Effekte. Wir brauchen wieder Autoren, die sich etwas trauen. Autoren mit verrückten Ideen, ungewöhnlichen Figuren und Welten, die nicht beim ersten Testpublikum glattgeschliffen werden. Vielleicht wird nicht jedes dieser Experimente funktionieren. Aber lieber scheitert eine Geschichte mit einer großartigen neuen Idee, als dass wir zum zwanzigsten Mal dieselbe erzählt bekommen.
Fantasy darf seltsam sein. Fantasy darf überraschen. Und vor allem darf Fantasy endlich wieder etwas wagen.

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